
Psychologin Gloria Mark warnt: KI-Chatbots gefährden kognitive Kontrolle
Gloria Mark, Psychologin an der University of California, Irvine, forscht seit 30 Jahren darüber, wie Menschen mit digitalen Technologien interagieren – ein Schwerpunkt, den sie nun auf KI-Chatbots ausweitet. Im Rahmen des SXSW London diskutierte sie ihre Sorge, dass Sprachmodelle die kognitive Kontrolle und Selbstregulationsfähigkeit von Nutzern systematisch schwächen könnten. Ihr Argument: Wer Denkaufgaben zunehmend an ein KI-System delegiert – vom Formulieren von E-Mails bis hin zu komplexen Entscheidungen –, trainiert das eigene Gehirn weniger in diesen Bereichen. Kognitive Kontrolle umfasst dabei Fähigkeiten wie Aufmerksamkeitssteuerung, Planung und das Unterdrücken von Ablenkungen, also Kernkompetenzen für selbstständiges Handeln. Mark hat in früheren Arbeiten bereits gezeigt, wie Smartphones und Social-Media-Plattformen Aufmerksamkeitsspannen und Selbstregulation beeinträchtigen – KI-Assistenten sieht sie als potenziell noch direktere Eingriffe in kognitive Prozesse. Die Debatte berührt damit grundlegende Designfragen: Sollten KI-Tools aktiv dazu beitragen, Nutzerkompetenzen zu erhalten statt zu ersetzen? Aus regulatorischer Perspektive könnte dies – analog zu Diskussionen über Social-Media-Design – zu Anforderungen an sogenannte „autonomieschützende" Systemarchitekturen führen.
- Gloria Mark ist Psychologin an der UC Irvine und seit 30 Jahren auf Mensch-Technologie-Interaktion spezialisiert.
- Mark präsentierte ihre Überlegungen auf dem SXSW London, einem der größten internationalen Tech- und Kulturfestivals.
- Im Zentrum steht das Konzept der kognitiven Kontrolle: die Fähigkeit, Aufmerksamkeit, Planung und Selbstregulation eigenständig zu steuern.
- Marks Forschungsansatz verknüpft frühere Erkenntnisse zu Smartphone- und Social-Media-Nutzung mit neuen Fragen zur KI-Abhängigkeit.
- Die Diskussion zielt auf ein Designproblem: KI-Systeme, die Aufgaben vollständig übernehmen, könnten Nutzerkompetenzen langfristig erodieren lassen.
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