
KI vernichtet keine Jobs – Unternehmen und Politik entscheiden darüber
Der Physiker und Data Scientist Marco Baity-Jesi argumentiert in einem achtseitigen Essay, dass die eigentliche Gefahr durch KI nicht in der Technologie selbst liegt, sondern darin, wie Produktivitätsgewinne verteilt werden. Er skizziert zwei mögliche Zukunftsszenarien: eines, in dem wenige Eigentümer profitieren und Massenentlassungen folgen, und eines, in dem Arbeitszeitverkürzung oder Lohnsteigerungen die Früchte der Automatisierung breit verteilen. Als Beleg zieht er die Industrielle Revolution heran – Verbesserungen kamen dort nicht automatisch, sondern durch Gewerkschaften, Gesetze und kollektive Verhandlungsmacht. Seit den 1980er Jahren hätten Arbeitnehmerbewegungen an Einfluss verloren, sodass Produktivitätsgewinne seither überwiegend Kapitaleignern zugutekämen. Konkrete Beispiele für aktuelle Verdrängung nennt der Autor u. a. bei Übersetzern, Kundendienst-Mitarbeitern und juristischen Assistenten. Er zitiert auch das Ideal des „Ein-Personen-Unternehmens mit Milliardenbewertung" sowie Werbekampagnen, die aktiv zum Stopp von Neueinstellungen aufrufen. Ökonomen wie Mill und Keynes hätten stets gehofft, Technologie werde die Arbeitszeit reduzieren – diese Vision sei bis heute nicht eingetreten.
- Agentenbasierte KI-Modelle erreichen laut Autor bei manchen Programmieraufgaben das Niveau erfahrener Entwickler.
- Branchen wie Übersetzung, Rechtsassistenz und Kundensupport zeigen bereits heute konkrete Verdrängungseffekte.
- Seit dem Zweiten Weltkrieg wurden Produktivitätssteigerungen kaum in Freizeit umgewandelt, sondern in Gewinne und Managergehälter.
- Der Autor verweist auf Werbekampagnen, die explizit dazu aufrufen, Menschen durch KI zu ersetzen ('stop hiring humans').
- Gewerkschaftliche Gegenmacht und Regulierung werden als historisch notwendige Korrektive für faire Verteilung benannt.
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