
ACM-Umfrage: 68 % der Informatik-Dozenten passen Prüfungen wegen KI an
Die ACM-Umfrage – durchgeführt von der Association for Computing Machinery, der weltweit größten Fachgesellschaft für Informatik – erfasste 763 Lehrende aus 49 Ländern und zeichnet damit ein breites, international repräsentatives Bild der aktuellen Lage in der Hochschul-Informatikausbildung. Der zentrale Befund: Zwei Drittel der Befragten haben ihre Prüfungsformate bereits aktiv angepasst, weil KI-Werkzeuge wie GitHub Copilot oder ChatGPT es Studierenden ermöglichen, Prüfungsaufgaben ohne echtes Verständnis zu lösen. Als Reaktion setzen viele Lehrende auf mündliche Prüfungen, beaufsichtigte Tests ohne KI-Zugang sowie projektbasierte Leistungsnachweise, bei denen Denk- und Begründungsprozesse sichtbar werden. Der titelgebende „Paradox"-Charakter: Dieselben KI-Tools, die als Lern- und Tutoring-Helfer potenziell wertvoll wären, untergraben gleichzeitig gängige Bewertungsverfahren. Fast die Hälfte der befragten Lehrenden gab an, keine bewährten Lehrkonzepte für die Integration von KI in ihre Kurse zu kennen – ein strukturelles Defizit, das auf fehlende Curricula-Entwicklung und ausbleibende institutionelle Unterstützung hindeutet. Der inhaltliche Fokus der Ausbildung verschiebt sich dadurch merklich: weg vom eigenständigen Schreiben von Code, hin zum kritischen Lesen, Verstehen und Bewerten von KI-generiertem Code. Für den Arbeitsmarkt bedeutet das eine Verschiebung im Kompetenzprofil von Berufseinsteigern, die künftig stärker konzeptuell und kommunikativ geprüft worden sein werden als in der praktischen Produktionserfahrung.
- 763 Informatik-Lehrende aus 49 Ländern nahmen an der ACM-Umfrage teil – eine der bisher breitesten internationalen Erhebungen zu KI in der Informatiklehre.
- 68 % der Befragten haben Prüfungsformate bereits geändert; konkrete Alternativen sind mündliche Prüfungen, beaufsichtigte Tests und projektbasierte Leistungsnachweise.
- Fast 50 % der Lehrenden berichten, ihnen fehlen bewährte Praxisbeispiele für die didaktische Integration von KI in ihre Lehrveranstaltungen.
- Der Lehr-Schwerpunkt verlagert sich laut Umfrage vom Schreiben von Code zum Verstehen und Bewerten von (KI-generiertem) Code.
- Das Paradox: KI-Tools könnten als Tutoren nützlich sein, unterhöhlen aber gleichzeitig bestehende Prüfungsverfahren – Lehrende stehen ohne erprobte Gegenkonzepte da.
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