
Kategorisierung in Credit-Scoring: Vom Rohdatum zur Risikoklasse
Der Artikel von Junior Jumbong auf Towards Data Science adressiert ein häufig unterschätztes Problem im Credit Scoring: die Rohdatenaufbereitung vor dem Modelltraining. Im Mittelpunkt steht die sogenannte Kategorisierung – auch Coarse Classification, Binning oder Classing genannt – bei der Rohdaten in eine kleinere Anzahl aussagekräftiger Risikogruppen überführt werden. Der Autor argumentiert, dass ein Modell nicht wegen eines schwachen Algorithmus scheitert, sondern weil Variablen falsch repräsentiert wurden. Für kategoriale Variablen (etwa `industry_sector` mit 50 Ausprägungen) verhindert Kategorisierung, dass 49 Dummy-Variablen im Modell landen und zu Overfitting führen. Für kontinuierliche Variablen wie Einkommen hilft sie, nicht-lineare Risikomunster zu erfassen, Ausreißer zu dämpfen und fehlende Werte handhabbar zu machen. Der Artikel gliedert sich in vier Abschnitte: Motivation, graphische Monotonieanalyse, Überblick über Binning-Methoden (Equal-Interval, Equal-Frequency, Chi-Square-basiert, WoE-basiert) sowie eine vertiefende Betrachtung der WoE-Diskretisierung für interpretierbare Scorecards. Logistische Regression bleibt dabei der zentrale Anwendungsfall, da sie in regulierten Kreditentscheidungen Transparenz erfordert.
- Kategoriale Variable mit 50 Ausprägungen erzeugt 49 Dummy-Variablen – Kategorisierung reduziert dies auf 5–6 Risikoklassen.
- Vier vorgestellte Binning-Methoden: Equal-Interval, Equal-Frequency, Chi-Square-Gruppierung und Weight-of-Evidence-Gruppierung.
- Graphische Monotonieanalyse: Default-Rate wird pro Intervall berechnet und gegen die Variable geplottet.
- Weight-of-Evidence-Transformation dient als finaler Schritt zur Vorbereitung für Logistische Regression im Scorecard-Format.
- Probleme wie Ausreißer, fehlende Werte und instabile Verteilungen werden als Hauptgründe für Modellinstabilität in der Produktion genannt.
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