
Finger, Gopher, Gemini: Alternative Internetprotokolle jenseits von HTTPS
Brennan Kenneth Brown beschreibt in seinem Beitrag drei Protokolle, die abseits des dominanten HTTPS-Webs existieren. Finger, erfunden 1971 von Les Earnest am Stanford AI Lab, läuft auf TCP-Port 79 und liefert eine einfache Textdatei (.plan) über den Nutzer – quasi das erste soziale Profil im Netz. Gopher entstand 1991 an der University of Minnesota, als eine Handvoll Programmierer (u. a. Mark McCahill und Paul Lindner) an einem offiziellen Ausschuss vorbeientwickelten und damit die erste „virale Software" schufen. Gemini schließlich ist das jüngste Protokoll, 2019 ins Leben gerufen, und bietet eine minimalistische, auf TLS basierende Alternative zum modernen Web. Alle drei laufen im Terminal, benötigen kein JavaScript und keinen grafischen Browser. Als gemeinsamen Client nennt der Autor Bombadillo, einen terminalbasierten Nicht-Web-Browser, der alle drei Protokolle nativ unterstützt. Den Hintergrund bildet eine grundsätzliche Kritik an der Browser-Monokultur: Chrome allein hält rund 73 % des globalen Desktop-Marktanteils; inklusive Chromium-basierter Browser (Edge, Brave, Opera, Vivaldi) sind es über 80 %. Der Artikel ist eingebettet in Browns Beschäftigung mit dem IndieWeb und dem Tildeverse.
- Finger (1971) läuft auf TCP-Port 79; .plan-Datei enthält frei wählbare Texte – Brown ist erreichbar via finger brennan@omg.lol
- Gopher (1991) war laut Entwickler Robert Alberti 'die erste virale Software' und wurde zunächst ohne offizielle Genehmigung veröffentlicht
- Gemini wurde 2019 entwickelt, im selben Jahr wie das erste Schwarzloch-Foto – minimalistisches TLS-Protokoll ohne JavaScript
- Bombadillo ist ein terminalbasierter Browser, der Finger, Gopher und Gemini nativ unterstützt
- Chrome/Chromium-Familie hält über 80 % des globalen Desktop-Browser-Marktanteils; Mozilla Gecko ist der einzig verbliebene unabhängige Rendering-Motor
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